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Battlestar Galactica - Das Virus

Titel: Das Virus
Serie: Battlestar Galactica
OT: BATTLESTAR GALACTICA: Unity
Autor: Steven Harper
Ü: Claudia Kern
Seiten: 299
ISBN: 978-3-8332-1643-5
Verlag: PaniniBooks, 2007
Rezension: Frank Drehmel

Als die Überlebenden des Vernichtungskrieges in den Trümmern eines zylonischen Basissterns eine Rettungskapsel entdecken, ist die Verwirrung zunächst groß, da sich an Bord dieses Objektes der begnadete Sänger Peter Attis sowie eine Wächterin, die Version des Zylonen-Modells Nummer 8, befinden.

Zweifel an Attis’ menschlicher Identität können dank Gajus Baltars und insbesondere Kara Thraces Fürsprache schnell zerstreut werden, denn die kleine Kara zählte früher - wie andere weibliche Crew-Mitglieder auch - zu den größten Fans des Sängers und weiß daher, mit einer Masse überflüssiger Details aus dessen Leben aufzuwarten.
Der Führung der Galactica kommt Attis’ Auftauchen im Grunde sogar recht, kann der Entertainer doch mit einem Live-Konzert für etwas Stimmung im trüben Flüchtlingsalltag sorgen.

Dieses ist um so nötiger, als der Bestand an Strahlungsmedikamenten sowie Antibiotika innerhalb der Flotte zur Neige geht und man daher gezwungen ist, trotz der allgegenwärtigen Bedrohung durch die Zylonen Station zu machen, um auf einem Planeten durch Ernten spezieller Algen für Nachschub zu sorgen.
Dass sich die “Toaster” erstaunlich ruhig verhalten, gibt aber nur wenig Anlass zur Freude, denn schon bald tauchen erste Krankheitsfälle in den Reihen der Menschen auf. Die Patienten beginnen zu fantasieren, können sich nicht mehr artikulieren, verlieren die Kontrolle über ihre Körperfunktionen, fallen ins Koma und sterben schließlich.

Schnell haben Dr. Cottle und Gaius Baltar Peter Attis als Überträger einer Seuche ausgemacht, die augenscheinlich von den Zylonen kreiert wurde. Immerhin liegt im Blute des Sängers die Heilung. Das Problem ist nur, dass Attis zwischenzeitlich zum Messias einer Sekte avancierte und mit Hilfe der aus ihrem Gefängnis ausgebrochenen Sharon Valerii von Bord der Galactica entführt wurde. Damit beginnt ein Wettlauf gegen das Virus und gegen die Maschinenwesen, die jederzeit auftauchen könnten.


Ich kann es nicht oft genug sagen: die BSG-TV-Show empfinde ich so erbaulich wie einen Furunkel am Arsch.
Im Gegensatz zur Show stellten die BSG-Romane immerhin eine erfreuliche oder wenigstens keine schlechte Leseerfahrung dar; bisher jedenfalls, denn mit “Das Virus” ist auch der belletristische Spin Off der Serie - bedauerlicherweise - ein deutliches Stück in Richtung “Regio Glutealis” gerückt.
Dass dieser Roman, dessen Handlung Mitte der zweiten Show-Staffel spielt, ohne Grundkenntnisse des Hintergrundes kaum genießbar ist, soll bei der Beurteilung keine Berücksichtigung finden, denn wer Franchise-Bücher liest, muss vorher wissen, worauf er sich einlässt.

Die eigentlichen Mängel liegen ganz woanders. An erster Stelle stehen die eindimensionalen, klischeehaften Charaktere, die - und hier verschenkt der Autor den Vorteil des Buches gegenüber dem Film - im Vergleich zur Serie nur eine minimale Vertiefung erfahren. Insbesondere Kara Thrace, die sich ständig ans nicht vorhandene Gemächt zu greifen scheint und Macho-Sprüche klopft, geht selbst jemandem, der keine Probleme mit starken Frauen hat, regelrecht auf die Eier.
Zweitens ist die Geschichte alles andere als originell, d.h. innovative oder gar interessante Ansätze sucht man vergeblich. Stattdessen gibt es eine drögen, nicht nur für BSG-Fans vorhersehbaren Mix aus Storyelementen, deren Bärte jeden Amischen vor Neid erblassen ließen. Erschwerend kommt hinzu, dass Harper seine Ideen staubtrocken und bar jeglichen Humors präsentiert, sich diese Ernsthaftigkeit aber in der soapig-platten Story selbst nicht widerspiegelt. Moralische Dilemmata, die sich aus dem Setting und der besonderen Situation der Flotte der Flüchtlinge ergeben, werden allenfalls angedeutet, in der Regel jedoch darf sich der Leser diese allein im stillen Kämmerlein zusammenbasteln.

Drittens und schlussendlich erweist sich Harper auch stilistisch als veritabler Dünnbrettbohrer. Ich bin mir bewusst, dass in Schriftstellerworkshops und Anleitungen für Möchtegern-Autoren regelmäßig die These “In der Kürze liegt die Würze” mit geradezu missionarischem Eifer propagiert wird; aber staccatoartig aneinandergereihte Mini-Sätze sowie Dialoge, bei denen man sich angesichts des verwendeten Wortschatzes und der - freundlich ausgedrückt - übersichtlichen Syntax fragt, ob da nicht doch Grundschüler am Radebrechen seien, lassen keine Lesefreude aufkommen.

Fazit: Eine vorhersehbare, religiös verquaste, einfallslose, humorlose und schlecht geschriebene Story. Fans der TV-Show werden wahrscheinlich selbst in dieser Dunkelheit einen hellen Schein erkennen.

Battlestar Galactica - Das Geheimnis der Zylonen

Titel: Das Geheimnis der Zylonen
Serie: Battlestar Galactica
OT: Battlestar Galactica: The Cylons´ Secret
Autor: Craig Shaw Gardner
Ü: Claudia Kern
Seiten: 283
ISBN: 978-3-8332-1445-5
Verlag: Panini Books, 2007
Rezension: Frank Drehmel


Dieser zweite Band der neuen BSG-Roman-Reihe spielt chronologisch vor der TV-Mini-Serie des Jahres 2003: Der (erste) große Krieg ist vorbei, die Zylonen haben sich nach dem Waffenstillstand in die Tiefen des Alls zurückgezogen und eine Ära des Wiederaufbaus hat begonnen. Dennoch ist die Bedrohung durch die Maschinenwesen in den Köpfen der Menschen und insbesondere der Militärs allgegenwärtig.
In den Randgebieten des von den 12 Kolonien beherrschten Raumes treiben Plünderer ihr Unwesen. Mehr oder weniger rücksichtslos suchen sie nach menschlicher und zylonischer Technologie aus der Zeit vor dem großen Krieg.
Eines der berühmtesten und berüchtigtsten Plünderer-Schiffe ist der Kreuzer Lightning, dessen leicht verrückter Captain, Nadu, es nicht zuletzt dank seiner Verschlagenheit zu respektablen Wohlstand gebracht hat. Als man auf der Lightning das Signal einer alten, vergessenen Forschungsstation empfängt, gibt es für die Glücksjäger -unter ihnen auch der junge Tom Zarek- kein Halten mehr, zumal sich die Station, die von dem alten, leicht vertrottelt wirkenden Doktor Fuest geleitet wird, als vermeintlich leichte Beute darstellt.

Doch der Schein trügt und so endet der erste Besuch einer Zwei-Mann-Delegation in einem Chaos und mit der Gefangennahme der beiden Plünderer durch die Stationsbesatzung. Der Versuch, sie zu befreien, schlägt ebenfalls grandios fehl: Zarek muss auf dem Planeten notlanden, das übrige Rettungsteam wird augenscheinlich massakriert und die Rest-Crew muss mit der Lightning überstürzt fliehen, allerdings nicht ohne ein Notsignal zu senden.
Die verschlüsselt Botschaft findet ihren Weg zu den kolonialen Militärs, die daraufhin Admiral Sing mit seinem Kampfstern Galactica zu den entsprehenden Koordinaten befehlen, um vor Ort die Angelegenheit zu untersuchen und gegebenenfalls eine diplomatische Lösung herbeizuführen.
Auf der Station erwartet die Diplomaten und den mit der Verhandlung betrauten Colonel Adama eine Überraschung: Zylonen, die in Eintracht mit den wenigen, dort noch verbliebenen Menschen leben. Adamas Misstrauen ist sofort geweckt. Die Frage ist nur: zu recht?


Dieses Buch angemessen zu rezensieren, ist nicht ganz einfach. Soll man in das Lamento der Hardcore-BSG-Fans einstimmen, die in Allem und Jedem einen Verstoß gegen Serien-Kontinuität und -Kanon vermuten oder sich empört darüber echauffieren, dass sich der eine oder andere Protagonist “Out-of-(series)-character” verhält? Oder soll man unbefangen an den Roman herangehen und ihn als das nehmen, was er ist: eine nette kleine SF-Story für zwischendurch, angesiedelt im BSG-Universum, ohne großen Tiefgang, dafür aber kurzweilig und unterhaltsam? Da mir persönlich die TV-Show und das Befinden derer Fans am Allerwertesten vorbei gehen, wähle ich letzteren Ansatz.

Der Aufbau und viele Elemente der Geschichte um die auch für den Leser lange Zeit nicht erklärlichen Vorgänge auf der Forschungsstation sind zwar nicht sonderlich originell, sondern erinnern stark an Serien-Episoden einschlägiger TV-Shows (Star Trek, Stargate, Kampfstern Galactica) oder an Kino-Genre-Klassiker wie “Alarm im Weltall”. Dennoch kann man sich dem leicht trashigen Charme der Geschichte kaum entziehen, vor allem, weil es Gardner auch dank eines guten Gespürs für die Situation gelingt, Protagonisten, Handlungsabläufe und Szenerie mit lockerer Hand lebendig und miterlebbar zu skizzieren.
Die Figuren -Adama, Nadu, Zarek- agieren innerhalb des Roman-Kontextes plausibel, kohärent und bieten dem Leser ausreichend Identifikationspotenzial, das Beziehungsgeflecht zwischen Mensch und Zylonen wird um einige überraschende Aspekte erweitert und stupide, platte Action um ihrer selbst willen wird fast gänzlich vermieden. Viel mehr und viel Tiefsinnigeres sollte man ernsthaft von einem solchen Merchandise-Roman nicht erwarten, auch -oder erst recht- keine sklavische Kanon-Treue.

Wirklich zu bemängeln gibt es nur Eins: das sehr großzügige Layout, welches für mindestens zusätzliche 30 Seiten dort sorgt, wo eigentlich gar keine sein dürften. Und dabei legt Panini im Vergleich zu dem amerikanischen Publisher, Tor Books, im Seitenschinden sogar noch vornehme verlegerische Zurückhaltung an den Tag.


Fazit: Ein zwar mäßig origineller, aber dennoch kurzweiliger Roman für den unvoreingenommenen SF-Fan. Für Hardcore-Fans der neuen BSG-TV-Serie definitiv nicht geeignet.

Battlestar Galactica - Battlestar Galactica - Die offizielle Vorgeschichte zur TV-Serie

Titel: Battlestar Galactica - Die offizielle Vorgeschichte zur TV-Serie
OT: Battlestar Galactica
Autor: Jeffrey A. Carver

Ü: Claudia Kern
Seiten: 298
ISBN-10: 3-8332-1444-9
ISBN-13: 978-3-8332-1444-8
Verlag: Panini/Dino, 2006
Rezension: Frank Drehmel


Da sich die moderne Neu- und Uminterpretation von Glenn A. Larsons angestaubter, rund dreißig Jahre alter “Kampfstern Galactica”-Serie in den USA zu einem Gewinn bringenden Unterfangen mauserte und zwischenzeitlich weltweit einen festen Platz im Herzen vieler SciFi-Nerds erobern konnte, ließen -wen wunderts- die ersten (neuen) Romane nicht lange auf sich warten.

Den Beginn der Buch-Reihe macht eine “Novelization” jener 2003er-TV-Miniserie, die den aktuellen Erfolg begründete.

40 Jahre herrschte Frieden zwischen den Zylonen und den zwölf Kolonien der Menschen; 40 Jahre, in denen die Maschinenwesen spurlos verschwunden waren, sodass die Gefahr fast in Vergessenheit geriet.

Just zu dem Zeitpunkt, als das letzte monumentale Relikt des großen Krieges, das technisch vollkommen antiquierte Raumschiff “Galactica” für immer stillgelegt werden soll, kehren die Zylonen zurück. In einem Handstreich legen sie durch ein Computervirus, welches sie mit -unfreiwilliger- Hilfe des genialen Wissenschaftlers Dr. Gaius Baltar entwickelt haben, das zentrale Kommunikationssystem der Kolonien und damit sämtliche planetoiden Verteidigungsmechanismen einschließlich der modernen Kriegsschiffe lahm, zerstören nahezu die gesamte Flotte der Menschen und töten in einem nuklearen Holocaust Milliarden von Kolonisten. Lediglich die Galactica und einige kleinere zivile Raumer können der Vernichtung entgehen, da das Virus in den veralteten Schiffssystemen keine Angrifsspunkte findet.

Den Überlebenden -darunter auch der zufällig gerettete Baltar und Präsidentin Laura Roslin- bleibt keine andere Option als die Flucht vor dem gandenlosen Feind, auch wenn die Militärs an Bord der Galactica dieses zunächst nicht wahrhaben wollen. Und so führen Commander Adama und Roslin nach hitziger Diskussion eine kleine Flotte in die Tiefen des Alls, auf die Suche nach einem neuen, sicheren Heimatplaneten.

Doch die Zylonen bleiben den Flüchtlingen dicht auf den Fersen. Mehr noch: es gelang ihnen, einige künstliche, von Menschen äußerlich nicht zu unterscheidende Cyborgs in die Reihen der Fliehenden einzuschleusen.

Bemerkenswert an dem Roman ist in erster Linie, dass sich J. A. Carver penibel an seine filmische Vorlage hält und -wo dieses möglich bzw. sinnvoll ist- sowohl in Hinblick auf Szenenabfolge und -inhalt als auch die Dialoge eine “Einszueins”-Umsetzung abliefert. Damit bietet der Roman treuen Fans der neuen Serie kaum Spektakuläres -allenfalls in einigen Schlüsselszenen wird der innere Antrieb der Protagonisten etwas deutlicher als auf der Mattscheibe herausgearbeitet.

Interessant ist der Roman dennoch für zwei Gruppen von SF-Serien-Junkies: zunächst wären da die Ewiggestrigen, für die Lorne Greene als Adama das Maß aller Dinge darstellt, Dirk “Starbuck” Benedict männlicher ist als Katee “Starbuck” Sackhoff und die die radikalen Änderungen in Story und Besetzung als Blasphemie ansehen. Sie können sich auf die unterhaltsame, allerdings nicht sehr komplexe oder ausgesprochen originelle Story konzentrieren, ohne von fremden Gesichtern, falschen Geschlechtern und/oder unpassenden Körperteilen allzu sehr abgelenkt zu werden.

Die zweite Gruppe besteht aus jenen Konsumenten, die einer Neuinterpretation zwar grundsätzlich offener gegenüberstehen, die aber der Wackel-Dackel-Handkamera, dem tristen Set-Design und den uncharismatischen Schauspielern der TV-Vorlage bisher nichts Erfreuliches abgewinnen konnten; auch sie können ungestört von visueller Tristesse in das moderne BSG-Universum eintauchen.

Zugute halten kann man dem Roman weiters, dass er stilistisch zwar kein Highlight ist, jedoch durchaus -fesselnd und locker geschrieben- den Leser mehr in seinen Bann zieht, als es viele andere TV-Serien-Novelizations vermögen.


Fazit: Nicht mehr und nicht weniger als eine gut geschriebene “1 zu 1”-Adaption der 2003er BSG-Mini-Serie und damit eine erfreuliche Alternative zu dem visuellen TV-Show-GAU.